Da gibt’s nen Radweg!

Meine Arbeitsstrecke ist eigentlich richtig genial. Ein paar km wenig befahrene Straßen, der Großteil schöne Radwege und vereinzelt „Radrouten“ über Gehwege (*sigh*). Beim Besuch des Fahrraddealers meines Vertrauens finde ich allerdings jedesmal die üblichen Radweg-Probleme; sprich:

  • Die angepasste Geschwindigkeit für Radwege entspricht meist ca. 15km/h, wegen scharfer Kurven, eventueller Fußgänger, Schmalstellen mit Gegenverkehr, Rissen und Schlaglöchern im Asphalt, parkenden Autos, Laternenmasten mitten am Weg, … – dem entgegnend ist meine favorisierte Geschwindigkeit am Fahrrad eigentlich 25km/h, was aber fast ausschließlich auf den Straßenstücken möglich ist.
  • Die Wahl zwischen Stvo-Verletzungen oder absteigen und schieben, weil der Radweg plötzlich in einem Gehweg, einer Einbahnstraße ohne Radfahrerausnahme oder mitten IN einer Kreuzung endet.
  • Und last but not least: Die simple Existenz eines Radweges scheint genug zu sein; wissen zu wollen, wo er hinführt, ist ja wohl eine vollkommen übertriebene Anforderung.

Trotzdem nutze ich die Radwege (von denen ich weiß wo sie sind und sofern sie auf meinem Weg liegen), und das nichtmal so ungern. Ich mag keinen Verkehrslärm und Autos die mir von hinten an die Pelle rücken, in der Hoffnung, bald überholen zu können, nerven und stressen mich.

Was mich allerdings so richtig rasend macht ist, wenn ich mich gerade ärgere, dass da mal wieder ein Gehweg der Straße, auf der ich fahre, entlang läuft, der PLÖTZLICH zu einem Rad- und Gehweg wird – mit einem 12cm Randstein ohne Absenkung. Und während ich mich da so ärgere, motzt ein Typ aus dem vorbeifahrenden Auto „Heast, fahr am Radweg!“

GAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAARGH!

 

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Dumdideldei.

Der neue Job ist nach einer Woche immer noch verdammt cool, mir geht’s trotz Hitzewelle eigentlich richtig gut, täglich 20km Radfahren ist suuuuper (und die Regentaufe mit heute auch bestanden – bis auf den Tacho, der scheint aus Zucker zu sein) und ich hab Tickets für Wacköööön 2019.

Yay!

Achso ja, die neue Firma sammelt  Spinner. Irgendwie sind alle meine neuen Kollegen… seltsam. Ich pass richtig gut rein. Mein musikbesessener Tischnachbar ist jetzt auf Urlaub und ich vermisse schon nach nur einem Tag die random facts über die Musiker, die gerade im Radio laufen.

 

Seifensalat…

Salat

Schön bunt. Dafür unscharf. Essbar.

Brokkoli, Paprika, Apfel und ein wenig Mais und Bohnen in einem Dressing aus Zitronensaft, Tahin, Bierhefe und viiiiel Koriander.

Ich hatte ja schon öfter gehört, dass für einige Menschen Koriander einfach nach Seife schmeckt und mich gewundert – das Zeug schmeckt doch am ehesten nach Kümmel? Ja, die Samen. nicht die frischen Blätter… die hab ich heute hochmotiviert das erste Mal verwendet.

Ich gehöre offenbar zur Seifen-Kategorie.

Auch die erhöhte Menge an Zitronensaft und Tahin hat’s nicht wieder fixen können. Der arme Brokkoli…

Eine neue Welt des Kochens

Immer noch versuche ich die Tierprodukte in meinem Leben zu reduzieren, immer noch sind sie nicht auf Null. Ich weiß auch nicht, ob ich jemals bei vegan ankomme, aber nachdem jede vegane Mahlzeit den zusätzlichen Genuss eines reinen Gewissens in sich trägt… Mal sehen.

Heute jedenfalls habe ich unglaublich Gusto auf Carbonara. Hatte ich ewig nicht mehr, mach ich selten, beim Italiener esse ich auch kaum mal Nudeln…

Kann man Carbonara vegan machen?

Man kann!

Rezept wird getestet und bewertet.

*bitte hier Unmengen Gefluche und Geschepper einfügen*

Boah. Goil.

Beim ersten abschmecken (vor den Gewürzen) dachte ich „Dreck, schmeckt ja nur nach der Bierhefe“ aber nach Oregano, Pfeffer, Knoblauch und einer Prise Paprika… Genau wie die Carbonara meiner Mama!

Die Marinade für den Tofu hab ich ausgelassen (Sojasoße vertrag ich nicht und Misopaste hab ich keine), bissl Brokkoli zu den Leinsamen-Rigatoni und fertig ist eines der besten Essen der letzten Wochen:

Optisch zum weglaufen, wie alles, was ich mache. Aber richtig, richtig lecker.

Haut auch nicht übel rein mit 850kcal… Aber die 55g Protein sind fein und das Mittagessen war kalorienarm genug, um das locker wegzupacken.

Muff!

Beim letzten Besuch bei den Eltern guckten wir alte Fotos. Mein Paps hatte die alten Dias eingescannt und so liefen 100e Fotos von Klein-Salix über den Fernseher.

100e Fotos von Salix nackig – weil „Ach Gott, wenn dir heiß wurde, warst du unerträglich.“

100e Fotos von Salix mit Tieren – weil „Ach Gott, du und Tiere. Als die Nachbarn Hasen bekamen, hast du für 2 Jahre von nichts anderem geredet und nichts anderes tun wollen als Hasen füttern.“

100e Bilder von Salix mit 7 Haarspangen – weil „Ach Gott, wenn du Haare im Gesicht hattest, brach die Hölle los.“

Und Fotos von Salix im Winter mit dem Hasenfell-Muff um den Hals. „Winter war lange schwierig mit dir. Du hast dich so massiv gegen Handschuhe gewehrt, dass wir dich nicht zwingen wollten. Aber die Kälte war schmerzhaft, du kamst oft mit furchtbar kalten Fingern, weinend vor Schmerz nach Hause. Aber Handschuhe waren trotzdem nicht möglich.“

Die Lösung fand dann meine Oma, die mir den Muff besorgte, den ich innig liebte. Er war hübsch fleckig und suuuperweich und flauschig.

Ich muss gucken, ob’s den Muff noch gibt. Der war toll.

Instinkt oder Paranoia?

Es gibt Menschen, denen traue ich nicht über den Weg. Die meisten lächeln sehr viel, berühren andere Menschen ständig und sind selten still.

Hin und wieder frage ich mich, ob ich diesen Menschen misstraue, weil ich ihre Verhaltensweisen nicht mag oder ob ich diese Verhaltensweisen nicht mag, weil ich diesen Menschen misstraue.

Meine Schwiegermutter gehört zu ihnen. Ich versuche mich zu überzeugen, dass sie, was sie tut, gut meint aber eben anders kommuniziert als ich. Aber dann kommen Momente…

Eine Wespe landet am Teller. Schwiema sagt mit fröhlicher Stimme „Ja hallo du Süße!“, zerdrückt sie und erklärt lachend „Ha, die hab ich mit meiner süßen Stimme hinters Licht geführt, damit sie mir vertraut und ich sie leichter töten kann.“

Ich zittere.

Ich identifiziere mich mit der Wespe.

Hatte ich nun recht, ihr nicht zu trauen?

Aber es war doch nur eine Wespe! – Nein, es war willentliche Täuschung um verletzen zu können. Entweder ich bin dazu fähig, so ein Verhalten vor mir zu rechtfertigen oder nicht. Kein Grau.

I solemnly swear…

… to become a better person.

Ich bin privilegiert as fuck. Dass ich mich als geschlechtslos identifiziere wissen die wenigsten, weil… ich eh keine Pronomen kenne, die mir zusagen also nehmt ruhig die weiblichen. Dass ich bi bin wissen einige, vergessen es aber oft, nachdem ich in einer geschlossenen Beziehung mit einem Mann lebe. Dass ich (vermutlich) autistisch bin, fällt (denke ich zumindest) nur auf, wenn man mich länger kennt.

Ich falle also im öffentlichen Bild in die Kategorie weiß, cis, hetero und ohne sonstige auffallende Merkmale, sprich: massiv privilegiert.

Ich weiß das und mache es mir bewusst, so oft es geht. Wann immer ich Polizei auf der Straße sehe, freue und ärgere ich mich gleichzeitig, dass ich sehr wahrscheinlich NICHT „zufällig“ kontrolliert werde. Wann immer mich jemand auf der Straße anspricht, frage ich mich, ob sie mich überhaupt/genauso freundlich/eventuell auf Englisch angesprochen hätten, wäre ich nicht weiß. Wenn ich mir Sorgen über irgendwelche Details von eventuell zukünftigen Kindern mache, bin ich dankbar dafür, mir die Sorgen ersparen zu können, ob mein Kind am Schulweg von Rassisten zusammengeschlagen wird. Bei der Suche nach einer neuen Wohnung  wurde mir übel, weil der Vermieter einer Wohnung diese beworben hatte mit „Hier im Haus gibt es keine Hottentotten.“ – mehr als dem Arsch bei der Absage deutlich zu machen, dass diese Aussage der Grund ist, warum das nette, junge, weiße Pärchen mit ihm nichts mehr zu tun haben will, fiel mir allerdings nicht ein. Es ärgert mich bis heute, dass ich in dem Moment zu perplex war um ihm sofort die Meinung zu geigen. Auch bei der Arbeitssuche waren subtile Anmerkungen, dass ich aufgrund meiner Herkunft bevorzugt werden würde, an der Tagesordnung und es macht mich rasend vor Wut; dass Xenophobie normal und überall ist und fast noch mehr, dass ich nicht weiß, was ich dagegen tun kann.

Ich würde gerne meine privilegierte Stellung nutzen, um das Leben der weniger Privilegierten zu erleichtern. Wenn jemand Tipps hat, wie sich das mit meiner gehörigen Portion sozialer Schwierigkeiten kombinieren lässt, immer her damit…

Ich arbeite inzwischen weiter an meiner Angst vor Konflikten; ergreife wann immer es mir möglich ist, deutlich Stellung gegen Fremdenhass jeder Art und bemühe mich, jeden Tag ein besserer „Ally“ zu werden. Zuhören. Selber Informationen suchen. Kritischer Blick auf die eigenen Vorurteile.

Salix.exe has stopped. Restart?

Kürzlich war da ein Moment, ein für mich einschneidendes Erlebnis, eine Erfahrung von nicht-funktionieren:

Der Tag war von Anfang an schwierig, auch wenn mir das noch nicht klar war. Hätte mich jemand nach meinem Befinden gefragt, die wahrscheinlichste Antwort wäre wohl „jo eh.“ gewesen – meine Variante zur Nicht-Antwort, je nach Situation weil ich die Antwort nicht weiß oder der Meinung bin, sie gehe den Fragenden nichts an.

Ich schweife ab.

Ich wurde in meiner Morgenroutine unterbrochen von der Türklingel. An der Gegensprechanlage verstand ich (Wind und Genuschel sei Dank) kein Wort, also… legte ich den Hörer wieder auf und stand verloren im Vorzimmer, völlig ratlos, wie ich aus dieser Situation jetzt wieder rausfinden sollte.

Der Retter war mein Mann, der dem armen Paketboten die Tür öffnete und das Paket entgegen nahm.

Situation gelöst, Reset complete, ich ging weiter Zähne putzen.

Abends sprach ich an, wie sehr mich die Tatsache, dass ich in einer so alltäglichen Situation völlig rat- und hilflos sein kann, mitnimmt und beschäftigt. Mein Mann darauf nur locker: „Mich hat das nicht überrascht. Hin und wieder wundere ich mich nur, wie du ohne mich lebensfähig warst.“

Uff. Ehrlich. Unverblümt. Ich schätze das. Ich liebe ihn (unter anderem) dafür. Das Grübeln setzt ein. Bin ich wirklich so offensichtlich eingeschränkt (beschränkt?), dass andere von meinen Schwierigkeiten weniger überrascht sind als ich selbst?

Diktatur der Gefühle

Hirn auslüften war angesagt, bei einem Spaziergang mit der besten aller Mitgängerinnen.

Plaudern über die jetzt vermutlich bald anstehende Diagnose; den Umzug und die Spinnereien meines Mannes; das Gefühl, mich noch immer nicht daran gewöhnt zu haben, verheiratet zu sein; die Gründe für den Jobwechsel, gemeinsam mit Hoffnungen und Ängsten in Bezug auf den neuen Job; Anekdoten aus unseren Familien und gemeinsame Freude darüber, dass unser beider Aufwachsen mit soviel Respekt und Verständnis ermöglicht wurde.

Und wie üblich in unseren Gesprächen gibt es Aha-Momente. Diesmal: die Erkenntnis, dass unser beider Fähigkeit, Emotionen und Gedanken getrennt voneinander zu betrachten und Körpersignale als Information wahrzunehmen, scheinbar außergewöhnlich ist.

Panikattacken sind nur Phasen, in denen mein Körper glaubt, sich jetzt aufregen zu müssen. Ist unangenehm, währenddessen kann ich nichts tun außer warten, aber es geht schnell vorbei.

Meine Sucht nach Zigaretten ist ein Fünkchen in meinem Hirn, das gelegentlich versucht, mir weiszumachen, dass ich gerne eine rauchen würde; ich nehme dieses Verlangen wahr und lache die Sucht aus, weil sie nicht mehr zu bieten hat als das.

Wir sind unseren Körpersignalen und Gefühlen nicht untertan. Mitunter brauchen sie so viel Aufmerksamkeit, dass alles andere pausieren muss, aber die Entscheidung, wie ich reagiere, ist MEINE, nicht die der Information.